Son

30.

September

Ironman Italy - 2018
Geschrieben von: Karen Kleiner   

Vor einer Woche fand der Ironman Italy statt, wo vom Tri Team Limmattal Jürg Mallepell und Domenico Di Sevo am Start standen. Für Domenico lief das Schwimmen zwar sehr gut, aber leider war das Rennen danach auf Grund eines technischen Defekts schon zu Ende. Jürg Mallepell konnte den Ironman finishen. Wie es ihm lief, hat Jürg gleich in einem eigenen Bericht beschrieben:

Ironman Italy mit «Cappuccino Auszeit»

Bericht geschrieben von Jürg Mallepell

Es gibt Tage im Sport, an denen zählt das Erlebte mehr als das reine Ergebnis. Einen solchen Tag zog ich beim Ironman Italy ein.

Der Ironman in der Gegend rund um Cervia sollte für mich Abschluss und Höhepunkt einer Super Saison 2018 werden. Ich war optimal vorbereitet, und die Vorfreude auf den Wettkampf war dementsprechend riesig.

Geschwommen wurde im Meer. Zur allgemeinen Sicherheit und wegen den vorhandenen Jellyfish (Quallen) durfte mit Neo geschwommen werden. Die zwei Schwimmrunden mit Landgang legte ich in persönlich neuer Rekordzeit von 55:20Min zurück. Über den Sandstrand, wo ich mir bei einem Fehltritt leicht den linken Fuss verstauchte, ging es in die wohl längste Wechselzone der Welt. Sie befindet sich auf einer Strasse, mit dem vielsagenden Namen Lungomare. Sie ist über 500m lang und in der Art mit Locarno zu vergleichen.

Die Rad-Runde ist bis auf eine kurze Steigung nach Bertinoro hinauf flach, und musste zweimal gefahren werden.  Auch hier gilt, ich bin noch niemals 180km schneller auf dem Rad gefahren. Nach 5:10:12Std wechselte ich mit über 25Min Vorsprung auf die Laufstrecke. Diese war aufgeteilt in vier Runden zu 10 Kilometern plus einer kleinen Zielschlaufe. Bis zum achten Kilometer lief alles nach Plan. Doch jeder Ironman schreibt seine eigene Geschichte. Bei der letzten Verpflegungs-Stelle der ersten Runde wurde es mir extrem schlecht. Auf gut Deutsch: mir war zum "kotzen". Der Brechreiz war da, an ein Laufen war nicht mehr zu denken. Ich wollte/konnte mich nicht mitten in der Stadt übergeben. Für Marie Theres war es natürlich ein Schock mich in diesem Zustand "spazierend" am Ende der ersten Runde anzutreffen. Sie drängte auf ein DNF, ich wollte weiter leiden. Wir nahmen uns eine 15-Minütige Cappuccino-Auszeit in einem Kaffee an der Strecke, um uns auszusprechen. Zusammen entschieden wir, es mit einer Testrunde im Spazieren zu versuchen». Ich rechnete von nun an mit einer Rundenzeit von gut 2 Stunden und die Uhr bestätigte mir diese Annahme.

Aufgeben war für mich nie eine Option, zu gross waren die Emotionen von Marie Theres an diese Gegend aus ihrer Kindheit mit Familie Verwandten und Bekannten. Also hängte ich nochmals so eine 2-Stunden Runde an. Die Zwischenbilanz nach drei Runden: ich war theoretisch bereits seit vier Stunden aus dem Rennen, praktisch aber immer noch drin. Um Krämpfe zu vermeiden versuchte ich zu Beginn der letzten Runde, eine Salztablette zu schlucken. Das brachte das Fass buchstäblich zum überlaufen. Ich konnte den Brechreiz nicht mehr unterdrücken und musste mich übergeben. Das Erfreuliche: es war wie wenn jemand den Schalter von aus auf ein gedrückt hätte. Ich fühlte mich befreit und bereit wieder anzulaufen. Nach mehr als vier Stunden spazieren war es nicht einfach, aber es klappte. Ich nahm langsam wieder Fahrt auf. Das Gefühl war einzigartig und die Überholspur war wieder ein Thema. Nach 6:46:46Std auf der Laufstrecke und einer Totalzeit von 13:03:46Std erfolgte endlich die Erlösung: "Juerg, you are an Ironman!" Mit der Unterstützung von Marie Theres habe ich eine weitere Ironman-Herausforderung gemeistert. Jeder Ironman ist für mich eine Gratwanderung an der Grenze des Machbaren. Ich bin gespannt, was mich noch erwartet.

Ironman Italy - 2018
Kat / Rang Name Schwimmen 3.8km Velo 180km Laufen 42.2km Total
M60 / 19. Jürg Mallepell 0:55:20 5:10:12 6:46:46 13:03:46

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 03. Oktober 2018 um 20:05 Uhr