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Ironman Thun

 

Daniel

 

Ironman Thun, mein erster Triathlon und eine Lektion fürs Leben

Als ich mich im Juli 2025 für den Ironman Thun anmeldete, war die Ausgangslage eigentlich ziemlich absurd: Ich war noch nie einen Triathlon gestartet, schwamm nicht regelmäßig und sass auch nicht wirklich zum Trainieren auf dem Velo. Trotzdem hatte ich mir schon lange vorgenommen, irgendwann einmal einen Ironman zu absolvieren, also dachte ich mir: Warum eigentlich nicht?

Weil das Rennen damals noch fast ein Jahr entfernt war, hielt sich mein anfänglicher Trainingsdrang allerdings in Grenzen. Und dann kam Ende Oktober der nächste Rückschlag: Ich brach mir den Arm und war bis Ende Februar praktisch sportunfähig. Somit begann meine eigentliche Vorbereitung erst Anfang März.

Einen wichtigen Schub bekam ich dann durch meinen Beitritt zum Tri-Team Limmattal Mitte/Ende April. Das Training bekam dadurch mehr Struktur und der Ironman wurde langsam etwas, das wirklich Teil meines Alltags wurde. Trotzdem blieb mein Trainingsumfang aufgrund von Arbeit und privaten Themen weit unter dem, was für eine klassische Ironman-Vorbereitung wohl vorgesehen gewesen wäre.

Entsprechend gross war mein Respekt vor dem Renntag. Mein Ziel war ziemlich simpel: vor dem Cut-off ins Ziel kommen.

Je näher der 5. Juli rückte, desto stärker wurde allerdings mein Leistungsdruck. Ich plante, organisierte, rechnete und machte mir immer mehr Gedanken darüber, ob ich das Ganze überhaupt schaffen würde.

Und dann stand ich am Morgen des Rennens in Thun und stellte fest, dass wichtige Sachen noch im Auto lagen, unter anderem mein Peilsender. Mein erster Gedanke: Stress. Keine Zeit. Zurück zum Auto, irgendwie wieder zurückkommen, hoffentlich den Start nicht verpassen.

Im Bus passierte dann aber etwas, das rückblickend wahrscheinlich mein grösster Erfolg dieses Tages war.

Ich bemerkte ein Muster, das ich aus anderen Bereichen meines Lebens gut kenne: Ich setzte mich derart unter Druck, dass ich dabei vergass, das eigentliche Erlebnis überhaupt wahrzunehmen.

Also entschied ich mich bewusst für etwas anderes.

Heute geht es nicht darum, irgendjemandem etwas zu beweisen. Heute möchte ich diesen Tag erleben und geniessen.

Plötzlich war die Anspannung weg. Ich fuhr zurück zum Auto, holte meine Sachen und kam am Ende sogar mehr als rechtzeitig wieder zum Start. Statt Angst vor den nächsten Stunden hatte ich plötzlich richtig Lust darauf.

Das Schwimmen war dann direkt eine ziemliche Wasserschlacht. So viele Arme, Beine und Körper um mich herum hatte ich noch nie erlebt. Immer wieder gab es Kontakt mit anderen Athleten, ein ziemlich spezielles Erlebnis, wenn der Ironman gleichzeitig der erste Triathlon des eigenen Lebens ist.

Nach 1:38:26 Stunden kam ich aus dem Wasser. Keine überragende Schwimmzeit, aber für mich persönlich ein erster grosser Erfolg. Beim Ausstieg warteten bereits Bekannte und feuerten mich an. Dieser Moment gab mir direkt nochmals einen riesigen Motivationsschub.

Nach 8:33 Minuten in der Wechselzone ging es aufs Rad.

Und ehrlich gesagt: Die erste Runde war einfach geil.

Bestes Wetter, eine wunderschöne Strecke, tolle Stimmung und immer wieder dieselben Leute um mich herum. Einer überholte mich, wenig später überholte ich wieder ihn, irgendwann bildeten sich gefühlt kleine Gruppen von bekannten Gesichtern.

Die ersten 90 Kilometer absolvierte ich für meine Verhältnisse überraschend schnell in ungefähr 3 Stunden und 10 Minuten. Als ich das realisierte, dachte ich nur: Wow. Jetzt einfach nochmals dasselbe.

Die zweite Runde dauerte rund 3 Stunden und 43 Minuten und wurde erwartungsgemäss härter. Interessanterweise waren aber weder meine Beine noch meine Ausdauer das grösste Problem. Vielmehr meldeten sich irgendwann Nacken und Hüfte. Nach so vielen Stunden in derselben Position merkte ich ziemlich deutlich, dass mein Körper solche langen Velofahrten schlicht nicht gewohnt war.

Trotzdem machte auch diese Runde Spass, und als ich wieder in Thun einfuhr und die Stimmung rund um die Wechselzone spürte, wusste ich langsam: Das könnte heute tatsächlich funktionieren.

Nach weiteren 9:04 Minuten Wechselzeit, inklusive komplettem Kleiderwechsel, ging es auf den Marathon.

Und dort lernte ich die nächste Lektion.

Auf dem Rad hatte ich meine Ernährung noch sehr diszipliniert durchgezogen und ungefähr alle fünf Kilometer etwas Kleines gegessen. Beim Laufen bekam ich aufgrund der ständigen Bewegung aber plötzlich kaum mehr etwas herunter.

Nach ungefähr 14 Kilometern bekam ich dafür die Rechnung präsentiert.

Meine Energie und meine Motivation brachen regelrecht ein. Über mehrere Stunden bewegte ich mich mental und körperlich ziemlich nah an meiner Grenze. Essen funktionierte kaum noch. Mit Früchten, etwas Fruchtsaft und Getränken versuchte ich irgendwie, genügend Energie aufzunehmen und mich Kilometer für Kilometer weiterzubewegen.

Und genau dort zeigte sich für mich nochmals, was diesen Sport so besonders macht.

Mein Körper sagte irgendwann ziemlich deutlich: Eigentlich reicht es jetzt.

Aber mental ging immer noch etwas.

Die Zuschauer entlang der Strecke, die Atmosphäre und besonders meine Familie und Freunde vor Ort trugen mich immer wieder ein Stück weiter. Noch ein Kilometer. Noch einer. Und nochmals einer.

Nach 5:12:53 Stunden war auch der Marathon geschafft.

Dann kam endlich dieser Moment, für den ich mich ein Jahr zuvor angemeldet hatte: die Ziellinie.

Meine Familie und Freunde standen dort, jubelten und freuten sich mit mir. Ich selbst brauchte ehrlich gesagt zuerst einmal ungefähr eine halbe Stunde, bis meine Lebensgeister wieder zurückkamen und ich überhaupt realisierte, was gerade passiert war.

14 Stunden und 2 Minuten. Ironman-Finisher.

Vor dem Rennen hatte ich ernsthaft damit gerechnet, möglicherweise nahe an die 17-Stunden-Grenze zu kommen. Mit einem gebrochenen Arm, einer sehr kurzen Vorbereitung, deutlich weniger Trainingsstunden als geplant und meinem ersten Triathlon überhaupt bin ich deshalb unglaublich stolz auf diese Zeit.

Aber noch stolzer bin ich auf etwas anderes.

Ich habe diesen Tag genossen.

Der Ironman hat mir gezeigt, dass Leistung und Freude keine Gegensätze sein müssen. Vielleicht funktioniert Leistung sogar besser, wenn man sich erlaubt, das Erlebnis wirklich wahrzunehmen, anstatt sich permanent selbst unter Druck zu setzen.

Diese Erkenntnis nehme ich heute noch mit in meinen Alltag.

Und gleichzeitig habe ich erfahren, wie viel Reserve in uns steckt. Selbst wenn der Körper einem schon ziemlich überzeugend mitteilt, dass nichts mehr geht, kann der Kopf einen noch unglaublich weit tragen.

Der Ironman Thun war deshalb für mich weit mehr als 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathon.

Es war eine der coolsten Challenges, die ich bisher erleben durfte, und ganz sicher ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde.

 

Florian Fankauser

Swim 1:17:40 Bike 6:24: 27 Run 5:12:52 Total 13:31:19 (AK 235.)

 

Daniel Seglias

Swim 1:38:26 Bike 6:53: 50; Run 5:12:53 Total 14:02:44 (AK 255.)